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Edemissen Ringel-Stangen will keiner haben
Kreis Peine Edemissen Ringel-Stangen will keiner haben
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23:08 04.06.2009
Kerstin Wosnitza Quelle: im
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Edemissen. Mit Handschuhen, Stechmesser, Alukorb und Maurerkelle stehe ich am Ende einer der schier endlos wirkenden Reihen auf einem Spargelfeld. Dietmar Wöhler vom Spargelhof Wöhler in Edemissen weist mich kurz ein. Ich soll mit „breiten Fingern“ rechts und links von der Spargelstange ein wenig die Erde lockern, dabei mit dem Stechmesser von vorn unterstützen und gleichzeitig feststellen, wo die Stange genau langwächst. Hört sich gar nicht so schwer an. Ist aber gar nicht so einfach.

Das Spargelstechen gehört auch heute, wo man fast alles schnell und praktisch von Maschinen erledigen lassen kann, zu den Dingen, die noch von Hand erledigt werden. Dabei ist diese Arbeit nicht sonderlich beliebt und steht in dem Ruf, sehr mühsam zu sein. Zu Recht, wie ich schon nach einer Dreiviertelstunde bestätigen kann. Ich habe ungefähr eine Portion Spargel geerntet, ein lahmes Kreuz und einen Sonnenbrand auf der Nase, trotz Sonnencreme.

Das Beet ist ungefähr 50 Zentimeter hoch. Also muss man sich bücken, wenn man drankommen will – den ganzen Tag. Wenn nicht gerade geerntet wird, sind die Beete mit einer schwarzen Folie abgedeckt. So bekommen die vorwitzigen Spargelköpfe kein Licht, wenn sie aus der Erde gucken, und bleiben schön weiß. Allerdings wachsen sie unter der Folie nur ein kleines Stück gerade nach oben, wenn der Widerstand zu groß wird, machen sie eine Kurve. Und Ringel-Spargel will keiner haben.

Ich wuchte also Stück für Stück die Folie von „meinem“ Beet und suche die Spargelköpfe, die aus dem Erdreich schauen. Ich mache mit breiten Fingern und dem Stechmesser die Erde weg, wie mir geheißen. Ab und zu gelingt es mir auch tatsächlich sofort, eine Spargelstange an der richtigen Stelle zu kappen. Meist pieke ich erst mal rechts oder links vorbei, steche den Spargel zu kurz oder scheitere am Widerstand eines Steines. Aber immerhin: langsam zwar, aber doch stetig füllt sich mein Korb.

Die Maurerkelle habe ich mehr der Vollständigkeit halber. Bei Folien-Spargel genügt es, die Erde grob mit der Hand wieder zu glätten. Ohne Folie tut man das sorgfältiger mit der Kelle, weil man auf der glatten Fläche besser erkennt, wenn die Stangen durchbrechen. Dann muss man sie bald stechen, sonst werden sie grün.

Die polnischen Erntehelfer sind gefühlt mindestens zehnmal so schnell wie ich. 100 Kilo Spargel erntet ein guter Spargelstecher am Tag, sagt Wöhler. Hut ab. Auch vor den Stunden, die die Männer in sengender Sonne oder strömendem Regen auf dem Feld verbringen – immer in gebückter Haltung.

Ich als bekennende Schreibtischtäterin gebe schon nach einer guten Dreiviertelstunde auf und schaue mir lieber noch an, wie es mit dem Spargel auf dem Hof weitergeht. Er wird automatisch gewaschen und in Eiswasser gekühlt, damit er schön lange frisch bleibt. Dann wird er auf Länge geschnitten und sortiert. Anschließend kommt Elvira zum Einsatz, die Spargelschälmaschine, die so freundlich ist, meine Ernte gleich küchenfertig vorzubereiten. Zum Abendbrot gibt es dann Spargel. Der hat mir noch nie so gut geschmeckt wie heute.

Kerstin Wosnitza

Stichwort

Spargelmarkt

Ihren Spargel nicht selbst stechen müssen die Besucher des 5. Peiner Spargelmarktes am Sonnabend, 6. Juni, von 10 bis 14 Uhr auf dem historischen Marktplatz. Dort dreht sich zugunsten des Vereins „Keiner soll einsam sein“ alles um das blasse Edelgemüse.

Unter anderem treten Peiner Sportler zum Spargel-Wettschälen an. Doch als Erstes zeigen ab 11 Uhr PAZ-Chefredakteur Jörg Schmidt und Redakteur Thorsten Pifan, wie schnell sie den Spargel schälen können. Um 11.30 Uhr treten dann Bundesliga-Keglerin Gabi Beckmann und der Lengeder Fußballer Jörg Heyne gegeneinander an. Um 12 Uhr greifen die ehemalige Zweitliga-Handballerin Natascha Krotowa und Junioren-Vize-Europameister im Turnen Max Wittenberg-Voges zu den Messern. Als Letzte schließlich messen sich die Hohenhamelner Marathonläuferin Marlis Janovsky und VfB-Badminton-Spieler Andreas Becker im fairen Wettschälen.

Henner Almeling aus Schwicheldt bringt seine Schälmaschine mit. Gegen einen kleinen Obulus für „Keiner soll einsam sein“ bereitet die Maschine für die Gäste des Marktes den Spargel küchenfertig vor.

Wo gestern früh noch 18 stattliche Kopflinden Schatten spendeten, waren mittags nur noch traurige Stümpfe zu sehen: Die Kopflinden auf dem Wipshäuser Friedhof wurden abgeholzt. Nachdem eine Linde vor einigen Wochen einfach abgebrochen war, musste die ganze Allee gefällt werden.

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