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Edemissen Warum Plattdeutsch so eine schöne Sprache ist
Kreis Peine Edemissen Warum Plattdeutsch so eine schöne Sprache ist
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08:00 09.01.2019
Auf Plattdeutsch heißt Eddesse Edderße. Das ist sogar durch spezielle Ortsschilder dokumentiert. Quelle: Dennis Nobbe
Eddesse

In enger Zusammenarbeit mit den Ortsheimatpflegern veröffentlicht die PAZ in loser Folge Beiträge zur Geschichte der Gemeinde Edemissen. Der heutige Beitrag stammt von Adelheid Schmidt aus Eddesse, die sich mit der örtlichen Mundart befasst.

Plattdeutsch ist knapp und treffend

„Plattdeutsch ist die Sprache unserer Vorfahren und mit seinen Variationen und seinem Potenzial ein kulturelles Erbe“, sagt sie. Wie kaum eine andere Sprache ist Plattdeutsch humorvoll, bodenständig, sehr bildhaft, knapp und treffend. Plattdeutsch verzichtet fast gänzlich auf das „Sie”. „Es ist fast unmöglich, jemanden auf Platt zu verletzen, und es gibt Dinge, die lassen sich einfach nur auf Platt sagen. Es ist eine unglaublich schöne Art, miteinander umzugehen“, so die Heimatpflegerin. Leider werde es kaum noch gesprochen.

Nur Pastor und Lehrer sprachen Hochdeutsch

Um 1900 und bis in die ersten Jahrzehnte des letzten Jahrhunderts war Eddesse ein rein bäuerliches Dorf mit plattdeutsch sprechender Bevölkerung. Nur die Pastoren und Lehrer sprachen Hochdeutsch. Das hat sich gründlich geändert.

„Mäken, smer dick nich vull“, sagte früher ein Eddesser Bauer zu einem jungen Mädchen, als es seiner öligen Mähmaschine zu nahe kam. Das war derbe und doch vertraulich, aber auch wirksam.

Viele Onkel und Tanten

Nicht nur Verwandte, sondern alle älteren Dorfgenossen waren für die Jugend „Unkel und Tante.“ Das schlug ein sprachliches Band um die gesamte Dorfgemeinschaft. Nur im hohen Alter gebührte das ehrfürchtige erhöhende „hei und sei“, manchmal von den eigenen Kindern.

Schon die Gestalt eines Menschen verlockte zu kritischem Sehen und zur sprachlichen Fixierung des Wahrgenommenen. Am besten kommen die „Balgen“ dabei weg. Der kleine Junge ist ein „lüttschen Bödel, Pöks, Stöpke, Bengel oder Krauter“ und kann sich zu einem „langen Rick“ oder „Hüne von Keerl“ entwickeln. Mädchen kommen mit „lüttje Panze oder Balg“ glimpflich davon, können aber auch ein „ganzet Aars“ sein.

Charakter wird aufs Korn genommen

Auch die geistig-charakterlichen Züge werden aufs Korn genommen, mit Vorliebe die negativen. Bei positiven Eigenschaften spricht Alter und Geschlecht mit: „en basig Mäken, ne güe Früe, en fein`n Keerl“. Mit einem „bequemen und kommoden“ Menschen ist „güt ummegahn“. “Dat is`n sinnigen Minschen“ zielt eingeschränkt auf den Mann. Die Frau ist „ne Früensminsche“. In der Mehrzahl gibt es „Früenslüe und Mannslüe“.

Auch in der Literatur fand das Plattdeutsche seinen Niederschlag: Die Autoren Fritz Reuter, Klaus Groth und John Brinkmann sind zu nennen, auch Theodor Fontane: Er hat (neben Deutsch, Französisch und Englisch) auch Plattdeutsch geschrieben.

Alt-Eddesser Redensarten

Zu Alt-Eddesser Redensarten gehören:

De hat sien wisse Brot (sicheren Verdienst).

De weit siene Wähldage nich tau laten (dem geht’s zu gut).

De is’n Legenschenspeler (Legendenerzähler, er ist unglaubhaft).

Den ward et nochmal vorn Arse buldern (wird noch was erleben).

Ick will dick wat pluckeflatschen (dir etwas pfeifen).

Man schöll üt’n Hölschen kippen (vor Erstaunen und Überraschung).

Da will ick erstmal en Sticken bistäken (prüfen, unterbinden).

Da ward Warf emaket und denn ward hennegan (ein Vorwand gesucht und etwas in Ordnung gebracht).

Dat is sien Wagen un sien Plaug (Sein ein und alles).

Nich bloß körèn, daun! (Nicht bloß reden, sondern tun.)

De Ule moaket noch de ganzen Bolt`n (hat noch was zu sagen).

De gaht mit Gescherre (ist „professionell“ – Handwerker)

Von Kerstin Wosnitza

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