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Ortsheimatpflegerin erinnert an Schrecken des Krieges

Edesse: Volkstrauertag Ortsheimatpflegerin erinnert an Schrecken des Krieges

Am Sonntag ist Volkstrauertag. Seit 1952 erinnert er an die Kriegstoten und Opfer der Gewaltherrschaft aller Nationen. In diesem Rahmen ruft Eddesses Ortsheimatpflegerin Adelheit Schmidt die Schrecken des Krieges ins Gedächtnis, die sie in Tagen ihrer Kindheit selbst miterlebte.

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Kartoffelroden auf dem „Bärenkamp“: Mehrere Zwangsarbeiter waren auch in Eddesse eingeteilt, darunter Jule aus Polen (rechts).
 

Quelle: Privat

Eddesse.  Der Besuch einer Gedenkstätte weckte kürzlich bei Schmidt Erinnerungen an ihre Kindheit. „Dort sah ich sauber geführte Karteikarten ehemaliger Häftlinge, offensichtlich Kriegsgefangene und Verschleppte, die zum Teil ins Konzentrationslager eingeliefert wurden“, berichtet die Ortsheimatpflegerin. „Am ,besten’ hatten es die Kriegsgefangenen, die, häufig noch in ihren mitgebrachten Militärstiefeln, nach Feierabend auf den Schrotkisten in den Futterküchen der Bauernhöfe meines Heimatdorfes hockten.“ Fast auf jedem Hof habe es Kriegsgefangene gegeben, die dort arbeiten mussten. Aber auch polnische und russische Zwangarbeiterinnen waren auf den Höfen eingesetzt. An eines der polnischen Mädchen erinnert sich Schmidt insbesondere: Jule aus der Gegend bei Posen. Sie sei zwar oft missmutig gewesen, aber auch sehr fleißig. Sie sei sogar im Frühjahr 1945, als die Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter in den Dörfern schon zum Transport in die Heimat gesammelt wurden, noch zum Melken auf den Hof gekommen. „Sie sagte, dass die Bäuerin die Arbeit doch alleine nicht schaffen könnte“, sagt Schmidt.

Erschreckend sei der Anblick der Züge von zerlumpten, halb verhungerten Kriegsgefangenen gewesen, die aus Lagern kommend bei Kriegsende von bewaffneten SS-Mannschaften durch das Dorf getrieben wurden, weil sie den von Westen vorrückenden Alliierten nicht in die Hände fallen sollten.

Zwei dieser Kriegsgefangenen, die getötet wurden, liegen auf dem Eddesser Dorffriedhof. Einer davon, der Pole Stanislaw Nowak, wurde erschlagen in einem Bombentrichter in der Feldmark aufgefunden. „Der damalige Pastor Klöpper hat seine Beerdigung veranlasst, um die Würde des Betroffenen zu achten – um Konflikte mit den Machthabern zu vermeiden, geschah das noch vor Sonnenaufgang“, so Schmidt.

Sie schließt mit den nachdenklich machenden Worten: „Wenn mir in der Gedenkstätte Bilder der Unmenschlichkeit unfassbar erschienen, kamen mir solche Erinnerungen aus meiner Kindheit, und ich verstand das Konzentrationslager als Ausdruck menschlicher Verrohung, geboren aus Vorurteilen, wie ich sie im Ansatz instinktiv als Kind auch mit empfunden hatte.“

Von Dennis Nobbe

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