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Edemissen Nach Peine und zurück mit dem „Alli“
Kreis Peine Edemissen Nach Peine und zurück mit dem „Alli“
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08:00 15.10.2009
Das Bild zeigt die Bahnhofsgebäude und wurde von Hans-Dieter Drewes vom Dach des Wasserturms aus aufgenommen. Zu sehen sind links das Bahnhofsgebäude und rechts das Wohnhaus für Bahnangestellte. Der Bahnhof wurde 1919 erbaut und 1980 abgerissen. Quelle: Hans-Dieter Drewes
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Edemissen-Plockhorst. „Alli“ – so wurde die Bimmelbahn genannt, die von Plockhorst nach Peine fuhr. „Woher der Name kam, wusste eigentlich keiner“, sagt Gertraude Latermann, Tochter des ehemaligen Wehnsener Lehrers. Als Gymnasiastin nutzte sie ungezählte Male dieses Verkehrsmittel, um nach Peine zur Schule zu fahren und erinnert sich lebhaft an diese Zeit.

Dreimal am Tag fuhr der „Alli“ nach Peine und wieder zurück – früh, mittags und abends. Von der oberen Rampe aus konnte der Lokführer alles übersehen und merkte gleich, ob alle Schüler „an Bord“ waren. „Wenn ich morgens mal auf den letzten Drücker zum Bahnhof kam, ließ ich gleich mein Rad an der Sperre stehen und rannte die Eisentreppe hinauf. Der Bahnbeamte brachte dann das Rad in den Güterschuppen“, erzählt Latermann. Oben habe sie der Schaffner dann schon mit Worten wie „Na, du Bummelbast, konntest wohl den Hintern nicht aus dem Bett kriegen?“ empfangen.

Dann habe er hinter ihr die Tür zugeworfen und nach einem „schrecklichen Pfiff“ ging die Fahrt los. „Der ,Alli‘ hatte die zweite und die dritte Klasse und einen Wagen für Reisende mit Traglasten – das war das Unbequemste, was man sich denken kann“, erinnert sich Latermann.

Im Herbst sei es stets sehr lebhaft im Zug geworden, weil dann die Bauernjungen mit zur Landwirtschaftsschule nach Peine fuhren. „Mit denen hatten wir immer viel Spaß. Doch plötzlich hatte das Vergnügen ein Ende, die jungen Männer mussten Soldat werden. Und manch einer kam nie wieder“, sagt die 80-Jährige wehmütig.

Ebenfalls im Herbst wurden an die Bummelbahn die Güterwagen für die Zuckerrüben angehängt. Latermann erklärt: „Das war immer eine lange Rangiererei und brachte oft Verspätungen nach sich.“

Kerstin Wosnitza

Wie es am Bahnhof in Plockhorst einst aussah

Es sind bald 100 Jahre her, da wurde Plockhorst im letzten Zipfel vom Kreis Peine ein wichtiger Eisenbahnknotenpunkt. Von Köln über Hannover nach Berlin ging die Strecke schon lange, auf ihr fuhr der „fliegende Kölner“ – seinerzeit der schnellste Zug in ganz Deutschland. Es handelte sich um einen Dieseltriebwagen der eleganteren Kategorie, in dem es nur eine erste und eine zweite Klasse gab. Er raste mit der „unvorstellbaren Geschwindigkeit“ von 120 Kilometern in der Stunde durch Plockhorst.

In Plockhorst kreuzten sich zwei Bahnlinien. Unten fuhren die Züge zwischen Köln und Berlin, in der „ersten Etage“ die von Celle nach Braunschweig und umgekehrt. Für diese Strecke wurde extra eine hohe Rampe aufgeschüttet und eine große Eisenbrücke gebaut, die über die untere Bahnlinie führte. Diesen oberen Bahnsteig erreichte man über eine breite Eisentreppe. Auf dieser Strecke fuhr auch der kleine Zug nach Peine los – aber erst, wenn alle anderen Züge abgefahren waren.

Obwohl Plockhorst ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt war, fiel das laut Ortsheimatpflegerin Silke Freund 1919 – also vor 90 Jahren – erbaute und 1980 abgerissene Bahnhofsgebäude recht bescheiden aus. Es war im gleichen Stil gebaut wie alle Bahnhöfe an der Strecke nach Peine und von Celle nach Braunschweig. Der Bahnhof bestand aus einem kleinen Haus mit einem Eingangsraum im Erdgeschoss. Hier standen einige Bänke für wartende Reisende.

Im Winter wurde mit einem Kanonenofen geheizt. Hinter einer Glasscheibe befand sich der Fahrkartenschalter. Das Bahngelände war von einem Holzzaun umgeben. An einer Pforte stand ein kleines Häuschen. Darin saß ein Beamter mit der Knipszange. Nur durch diese Sperre konnte man auf die Bahnsteige kommen. Wenn alle Züge abgefahren waren, schloss man die Pforte zu.

Im ersten Stockwerk des Bahnhofsgebäudes wohnte der Stationsvorsteher. Nebenan befand sich der Güterschuppen, ein Stück daneben das kleine Häuschen mit zwei Herztüren – eine für die Damen, eine für die Herren. Außerhalb des Bahngeländes stand ein großes Vier-Familienhaus für die Bahnangestellten.

Von Plockhorst bis nach Ankensen ging die Strecke immer bergab von der hohen Rampe. Auf seinem Weg nach Peine überquerte der Zug mehrere unbeschrankte Bahnübergänge, und die Lok musste tüchtig bimmeln und pfeifen – daher kommt der Name Bimmelbahn.

Gertraude Latermann

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