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Edemissen Literatur-Abend im Wipperhof: Würziger Wortwitz und schillernde Brillanz
Kreis Peine Edemissen Literatur-Abend im Wipperhof: Würziger Wortwitz und schillernde Brillanz
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00:15 12.02.2014
Gerhard Gieseking und sein Team sorgten für viele Lacher beim Erich-Kästner-Abend in Edemissen. Quelle: im
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Und was hat Gieseking da nicht alles an bissig-treffender und kabarettistisch-boshafter Lyrik und biografischen Einzelheiten aus dem Leben des „Moralisten“ zusammengetragen!

Dass der „Emil“ mit den Detektiven eine namentliche Anleihe bei seinem Vater war, beispielsweise und - wie pikant: dass Erichs leiblicher Vater eigentlich der Hausarzt der Familie gewesen sein soll. Gieseking verkauft das allerdings nicht als historischen Skandal, sondern eher als das, was es ist: eine Randnotiz.

Viel eklatanter für den während der Zeit der Weimarer Republik so unglaublich erfolgreichen Doktor Kästner (er promovierte über „Friedrich den Großen und die Literatur“) beschreibt er dessen Dasein während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft: Er steht als „verbotener Autor“ daneben, als im Mai 1933 auch seine Bücher in Flammen aufgehen, wird aber dennoch als unbenannter Drehbuchschreiber engagiert und darf, der von den Nazis dringend benötigten Devisen wegen, seine Bücher im Ausland veröffentlichen. Seine „Drei Männer im Schnee“-Verfilmung hat in Hollywood großen Erfolg.

Gieseking gelingen biografische Ausgrabungen, die selbst Kästner-Enthusiasten bisher verborgen waren. Er zitiert aus Briefen an das „liebe gute Muttchen“, begründet, warum der Autor am „gesunden Menschenverstand verzweifelt“ und baut jede Menge dramaturgische Nischen ein, in denen Ilse Schulz und Ute Heinemann lyrische Häppchen von lichter Brillanz und würzigem Wortwitz servieren.

Apropos servieren: Die thematisch passende Zwischenmahlzeit aus der Wipperhof-Küche bestand diesmal aus dem zu Kästners Lebzeiten traditionellen Steckrüben-Eintopf - freilich heutigen Ansprüchen entsprechend mit reichlich Gemüse und Fleisch „angedickt“.

Dass sich der Autor einst wesentlich spartanischer ernähren musste, erklärt Gieseking an vielen biografischen Einzelheiten, die er ausschließlich aus der Lektüre von sieben Büchern zusammengetragen hat - „ohne Internet!“ Ehefrau Edith erfasste Giesekings handschriftliches Manuskript nicht nur maschinell. Sie pflegte stets ebenso geduldig erforderliche Überarbeitungen mit ein - getreu nach Kästners Lehrsatz: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“

uj

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