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Ein Trecker zum Schützenfest

Rietze Ein Trecker zum Schützenfest

Seit kurzem steht ein Lanz Bulldog von 1950 in alter Pracht auf dem Hof der Familie Hennigs in Rietze. Restauriert wurde er von Christoph Harms, der Entschluss dazu entstand – wie einige gute Ideen – aus einer Bierlaune heraus.

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Pünktlich zum Schützenfest in Rietze war der Lanz Bulldog fertig und zog die Kutsche mit dem König.

Edemissen-Rietze . Unter lautem Geknatter steigt endlich stoßweise Qualm aus dem Schornstein des betagten Treckers. Die ganze Maschine vibriert und klappert, nach und nach wird der graue Rauch immer weißer, die Geräusche werden etwas moderater und der Motor läuft runder: „Jetzt ist er richtig an“, strahlt Heinrich Hennigs aus Rietze, gibt seinem Lanz Bulldog einen liebevollen Knuff und sagt: „Das ist Musik in meinen Ohren.“

Seit kurzem steht das betagte landwirtschaftliche Gefährt wieder in alter Pracht auf dem Hennigs-Hof in der Wasserreihe. Und das kam so: Beim Rietzer Schützenfest 2008 traf Heinrich Hennigs mit seinem Cousin Christoph Harms aus Alvesse in Bierlaune eine Vereinbarung. Wenn Harms es schaffe, den alten Trecker zum nächsten Schützenfest wieder herzurichten, würde er versuchen, Schützenkönig zu werden. Beiden Parteien gelang das Vereinbarte, und beim Schützenfest-Umzug Anfang September fuhr Hennigs mit seiner Frau Dagmar unter großem Hallo in einer vom Lanz Bulldog gezogenen Kutsche durchs Dorf.

Mit der Restaurierung des Treckers ist für Heinrich Hennigs ein Stück Kindheit lebendig geworden. „Ich verbinde mit ihm viele Erlebnisse aus meiner Jugend und sehe meinen Vater vor mir, wie er bei Wind und Wetter mit dem Schlepper arbeitet.“ Hennigs selber bewirtschaftet den Hof nicht mehr, ist jedoch nach wie vor der Landwirtschaft stark verbunden: Der diplomierte Agrar-Ingenieur ist Dezernatsleiter im Domänenamt Braunschweig der Behörde für Geoinformation, Landentwicklung und Liegenschaften.

Seine Blütezeit erlebte der robuste Bulldog (gebaut von der Firma Heinrich Lanz, Mannheim), vor und nach dem Zweiten Weltkrieg. Nach der Übernahme Ende der 1950er-Jahre durch die Firma John Deere wurde die Produktion nach kurzer Zeit wegen technischer Überalterung eingestellt. Hennigs Vater erwarb seinen Schlepper 1950 und arbeitete etwa zehn Jahre damit. Als ihm beim Kauf eines neuen Treckers nur 300 Mark für den alten geboten wurden, verzichtete er auf das Geld. Der Lanz Bulldog verschwand für lange Zeit in der Scheune unter einem Strohlager.

Das hat ihm nicht geschadet, denn auf Grund der relativ simplen Bauweise sind keine wichtigen Teile kaputt gegangen. Aber spannend macht es der alte Schlepper doch jedes Mal, wenn er in Gang gebracht werden soll. Ausgerüstet ist er mit einem Ein-Zylinder-Glühkopf-Motor. „Die Zündung erfolgt durch das Glühen des Zylinderkopfes“, erläutert Hennigs, „daher muss der Kopf zunächst mit einem Brenner glühend gemacht werden.“ Das Starten erfolgt dann durch Drehen der seitlichen Schwungräder – ein Kraftakt, bei dem man ganz schön ins Schwitzen kommt.

Das Geräusch, das der Trecker jetzt von sich gibt, findet der 54-jährige Rietzer „wunderbar“. Nicht so ein ehemaliger Lehrer an der örtlichen Schule. „Jedes Mal, wenn mein Vater mit dem Lanz anrückte, mussten die Kinder sofort die Fenster schließen“, erzählt er und freut sich noch im Nachhinein wie über einen gelungenen Jungenstreich.

Brigitte Vogel

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