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Edemisser entdeckt historische Schrift zur Hexenverbrennung

Edemissen Edemisser entdeckt historische Schrift zur Hexenverbrennung

Edemissen. Wie die Angst vor Hexenverbrennung Frauen im 17. Jahrhundert in den Wahnsinn trieb, weiß der Edemisser Gerd Gieseking: Eine entfernte Verwandte von ihm wurde einst als Hexe verbrannt. Ihre Geschichte wird in einer alten Zeitschrift zur Familienforschung erzählt, die Gieseking kürzlich wiedergefunden hat.

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„Aus Sippe und Heimat“ heißt die alte Zeitschrift zur Familienforschung, die der Edemisser Gerd Gieseking gefunden hat.

Quelle: sur

Sein Vetter Walter Gieseking hatte das dünne Heft mit dem Titel „Aus Sippe und Heimat“ im Jahr 1937 veröffentlicht. Es enthält „Nachrichten für alle Träger des Namens Gieseking“ und befasst sich vor allem mit Familienforschung.

Auch der Hexenprozess gegen Ilsche Gieseking aus Münchehagen wird darin geschildert. „Anhand der Akten ist es nicht schwer, den genauen Hergang des Prozesses zu rekonstruieren“, heißt es in dem Heft, „und mit Erschütterung wird einem klar, welches Leben der Angst diese arme Frau zwölf Jahre lang geführt haben muss.“

Ilsche Gieseking wurde 1638 in Loccum als Hexe verbrannt. Dass ihr dieses Schicksal droht, war ihr jedoch schon länger klar. Ab 1625 wurde in ihrer Heimat „fleißig nach Hexen gefahndet und vielen verdächtigen Weibern der Prozess gemacht“, heißt es in der Zeitschrift. Die Geständnisse wurden unter Folter erpresst - und die Frauen mussten dabei nicht nur sich selbst schuldig bekennen, sondern auch „mitschuldige Personen“ nennen, also weitere Frauen als Hexen diskreditieren.

Zur öffentlichen Verbrennung strömten oft Hunderte von Menschen zusammen. „Bevor der Henker den Holzstoß entzündete, erfolgte gewöhnlich die Verlesung der Geständnisse sowie die Nennung der als mitschuldig bezeichneten Personen“, heißt es in der Zeitschrift. „An einem solchen Tage hörte Ilsche Gieseking plötzlich auch ihren eigenen Namen. Man kann sich ihren Schrecken vorstellen. Nicht minder entsetzt war ihr Mann, der sie kopflos vor Angst auf den Wagen setzte und noch am gleichen Tage zu ihren Eltern nach Sachsenhagen brachte.“

Durch den Schock verfiel die junge Frau „in ein hitziges Nervenfieber“, heißt es in dem Bericht. „Wochenlang lag sie im Bett und delirierte.“ In ihren Fieberfantasien sprach sie von einem „höllischen Buhlen“ der lange Hexenritte mit ihr unternehme. Als sich das Fieber legte und Gieseking nach Münchehagen zurückkehrte, „glich sie einer Verstörten“ und wurde noch lange Zeit von Wahnvorstellungen gequält.

„Ihr Befinden besserte sich erst, als das peinliche Gericht sie während der ganzen nächsten Jahre unbehelligt ließ“, heißt es. „Im Laufe der Jahre schenkte sie zehn Kindern das Leben schenkte und sah wieder gesund und blühend aus.“

So ganz erholte sich Gieseking aber nie wieder von dem Schock: „Sobald sie hörte, dass in Loccum Hexen verbrannt werden sollten, verließ sie Münchehagen für einige Zeit.“

Am 1. November 1638 wurde sie schließlich doch verhaftet und verhört, „beteuerte jedoch standhaft ihre Unschuld“. Nachdem ihr der Scharfrichter am nächsten Tag die Folterinstrumente erklärt und ihr „probeweise die Daumenschrauben angesetzt hatte“, brach der Wahnsinn wieder durch, „der die ganzen Jahre unter der Oberfläche geglimmt hatte“ - und Gieseking bekannte sich stammelnd als Hexe. „Ein altes Weib [...] hätte sie vor ungefähr zwölf Jahren die Kunst gelehrt“, sagte sie dem Scharfrichter. Am 26. November 1638 wurde sie verbrannt.

sur

Friedrich Spee war Vorkämpfer gegen Folter - heute jährt sich sein Todestag

Vom 15. bis ins 18. Jahrhundert wurden überall in Deutschland Frauen als angebliche Hexen verbrannt. Gegen die brutalen Prozesse, bei denen unter Folter ein Geständnis erpresst wurde, kämpfte der Jesuitenpater Friedrich Spee, der auch in Peine tätig war und heute vor genau 377 Jahren starb. 1631 verfasste Spee sein bis heute bekanntes Werk „Cautio Criminalis“. Darin beschreibt er die Qualen einer Frau, die wegen angeblicher Hexerei gequält und gefolgert wird. Entgegen der damaligen Rechtsauffassung gab Spee zu bedenken, dass Folter nicht der Wahrheitsfindung diene und die verdächtigten Frauen möglicherweise unschuldig seien, obwohl sie unter Folter ihre Schuld gestanden hatten – vor fast 400 Jahren war das eine gewagte Ansicht. Spee veröffentlichte die Schrift anonym, aus Angst, aus seinem Jesuitenorden ausgestoßen zu werden, sollte er sich offen auf die Seite der Hexen stellen. sur

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