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Edemissen „Das Grauen vergeht nie“
Kreis Peine Edemissen „Das Grauen vergeht nie“
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20:32 11.09.2009
Ester Lenczicki mit ihrem Mann Isaak.

Edemissen. Sie erzählt davon, wie die SS-Männer gleich nach dem Überfall auf Polen begannen, jüdische Bewohner in Ghettos zu stecken: Ein Schlagen an der Tür – sofort alle raus! „Auf dem Marktplatz teilten sie uns in zwei Gruppen,“ sagt sie mit brüchiger Stimme, stockt, holt Luft: „Die Menschen rechts kamen ins Arbeitslager. Alte, Kranke oder Kinder links...in die Viehwagen. Die wurden alle vergast!

Sie erzählt davon, wie sie in Bergen-Belsen zu Hunderten in den zugigen Baracken hausten: auf groben Bretterverschlägen mit feucht-kaltem Stroh. Keine Schuhe, keine Wäsche, ständige Kälte, Müdigkeit, die Willkür der KZ-Aufseher und – Hunger. „Wenn wir eine Scheibe Brot bekamen, versteckten wir die Hälfte, um etwas für den nächsten Tag zu haben“, erzählt sie. Die Schülerinnen und Schüler hören atemlos zu. Einige der Mädchen wischen sich die Augen.

Die Erinnerungssplitter von Ester Lenczicki sind wie grobe Skizzen des absoluten Grauens. Mehr kann sich die im polnischen Trzebinia geborene ihren Erlebnissen nicht annähern. Zu übermächtig sind die Schrecknisse des Erlebten. „Das Grauen vergeht nie“, sagt sie. Noch heute, über 60 Jahre danach, ist sie nervös, schläft schlecht, nimmt Medikamente.

Es sind die Leer-Stellen in den knappen Sätzen von Ester Lenczicki durch die das Entsetzen in das Bewusstsein der jungen Zuhörern kriecht. Die vollkommene Ohnmacht der Opfer und die Gewalt der Täter. Die Jungs sind betreten, einige der Mädchen müssen schluchzen, stehen noch lange nach der Veranstaltung um den Tisch der 81-jährigen. Fragen, versuchen Antworten zu finden.

Die sechzehnjährige Bianca Hesse ist tief bewegt: „Wir haben das Thema im Unterricht vorbereitet. Aber wenn jemand davon berichtet, der das überlebt hat – das vergisst man nicht mehr.“ Ihre gleichaltrige Klassenkameradin Katja Wolff stimmt ihr zu: „Bücher lesen oder Filme sehen. Das bleibt fern. Was Frau Lenczicki erlebt hat, geht mir unter die Haut. Das ist wie ein Alptraum. Aber es war real.“

„Die Schüler werden in der nächsten Unterrichtsstunde Gelegenheit haben, über ihre Gefühle zu sprechen“, sagt Konrektorin Inge Kleeberg. Geschichte über Zeitzeugen sei authentischer und nachhaltiger als der normale Schulbuch-Unterricht: „Geschichte wird als lebendig, erlebt und erinnerungswert präsentiert und begriffen. Ich denke, hier lernen sie Wesentliches: Mitgefühl und grundsätzliche menschliche Werte.“

Björn Wulfes

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