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Edemissen Alte Mühle erwacht aus Dornröschenschlaf
Kreis Peine Edemissen Alte Mühle erwacht aus Dornröschenschlaf
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20:00 21.07.2011
Dornröschenschlaf: Die alte Motormühle wird derzeit wieder hergerichtet. Besitzer Henning Treumann (rechts) im Inneren der Mühle.

Blumenhagen. „Eine so gut erhaltene Mühle findet man hier heute kaum noch“, meint Blumenhagens Ortsheimatpfleger Thomas Kuczniers. Bereits seit 1839 existiert die Technik der heutigen Motormühle. Doch die Geschichte der Motormühle ist eigentlich die zweier Mühlen, denn bereits seit 1894 drehten sich die Flügel einer Bockwindmühle am Blumenhagener Ortsausgang Richtung Edemissen.

Diese Mühle war ursprünglich in Barby an der Elbe neu erbaut worden. In den 1880er Jahren wurde sie auf Abbruch verkauft und in Blumenhagen von Müllermeister August Brennecke wieder in Betrieb genommen. „Nicht nur Müller konnten damals also auf Wanderschaft gehen, Mühlen auch“, sagt Kuczniers und lacht.

In Blumenhagen hatte Brennecke die Mühle im Laufe der Jahre immer wieder modernisiert und mit Jalousie-Flügeln ausgestattet. Doch nachdem Brennecke aus dem Krieg nicht wieder zurück kam, blieb sie still.

„Einer seiner sechs Söhne, der Müllermeister Arnold Brennecke, ließ dann 1948 die Bockwindmühle durch die jetzige elektrisch betriebene Motormühle ersetzten, eingebaut im ehemaligen Stallbereich des Wohngehöfts, das Arnold Brennecke 1938 erwarb“, weiß Henning Treumann, der gemeinsam mit seiner Frau Swantje Hupel die heutige Hofstelle und Motormühle in Blumenhagen besitzt.

Max Zühlke, ein vertriebener Müllermeister aus Pommern, sei schließlich 1948 auf die Mühlen aufmerksam geworden. „Die Brenneckes verpachteten sie dann an Zühlke“, sagt Treumann. Unter dem Namen „Boeck & Zühlke“ nahm er gemeinsam mit seinem Schwiegervater die Motormühle in Betrieb und verarbeitete vor allem Roggen.

Ausgestattet mit Mahlgang, Weizenstuhl, Plansichter und Reinigungsmaschinen wurde noch bis 1975 in Blumenhagen Mehl hergestellt. „Dann wurde die Arbeit eingestellt, weil sie sich nicht mehr rentiert hat“, sagt Kuczniers. „Seither befindet sich die Mühle im Dornröschenschlaf.“ Sogar das letzte Kalenderblatt mit Notizen zur Produktion hängt noch. Auch Mehlsäcke, Papiertüten, Etiketten und Rechnungen sind noch gut erhalten geblieben. Ebenso wie das angrenzende Wohnhaus, das seit 1928 als Klinkerbau unverändert ist.

„Nun wollen wir aus der Mühle ein kleines Museum machen“, sagt Treumann. „Teile der Technik werden historisch aufgearbeitet und wieder in Betrieb genommen.“ Wenn alles fertig ist, wollen Treumann und seine Frau auf Nachfrage Führungen durch die Mühle anbieten.

Und obwohl noch ein bisschen Arbeit vor den Blumenhagenern liegt, wurde die Motormühle bereits in die Niedersächsische Mühlenstraße aufgenommen – und bis zum Baudenkmal fehlen auch nur noch ein paar letzte Unterschriften.

ju