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„Generation Facebook“ anfällig für Antisemitismus

Studie „Generation Facebook“ anfällig für Antisemitismus

Neue Medien mit uralten Vorurteilen: Junge Nutzer von Facebook und anderen sozialen Netzwerken sind anfällig für antisemitische Klischees, zeigt eine neue Studie. Sie zeigt aber auch, dass Bildung gegen Vorurteile schützt.

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Laut einer Studie sind junge Nutzer von sozialen Netzwerken anfällig für Antisemitismus.

Quelle: dpa

Osnabrück. Einer neuen Studie zufolge ist die „Generation Facebook“ - Nutzer sozialer Netzwerke wie Facebook oder der VZ-Netzwerke - anfällig für antisemitische Vorurteile. So sei rund die Hälfte im Alter von 15 bis 40 Jahren der Meinung, dass Juden zu viel Wirbel um ihre Vergangenheit im Dritten Reich machen, sagte der Autor der Untersuchung, der Osnabrücker Historiker und Medienwissenschaftler Christian Hardinghaus, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Drei Jahre lang befragte er 1100 User dieser Altersgruppe in sozialen Netzwerken. Ein Drittel behaupte, dass sich Juden generell charakterlich von anderen Menschen unterscheiden. Die Studie zeigt auch: Je höher die Bildung, desto weniger anfällig sind Menschen für Vorurteile. 

Das Internet und die sozialen Netzwerke sind neue Medien. Es scheint aber doch eine Brutstätte uralter Vorurteile zu sein? 

Vorurteile gegen Juden hat es schon immer gegeben. Seit dem Mittelalter wurde Juden bereits nachgesagt, sie seien geizig, ausbeuterisch, gierig nach Geld - diese Vorurteile haben die Nazis aufgegriffen und für ihre Rassenideologie genutzt. Interessant und erschreckend ist heute: Wenn ich junge Leute befrage, sagen 30 Prozent, dass sich die Juden generell charakterlich von anderen Menschen unterscheiden. Und wenn man nach diesen Eigenschaften fragt, sind es fast nur negative Eigenschaften, wie Geldgier, Geiz oder Arroganz. Kaum jemand schreibt ihnen positive Eigenschaften zu wie Intelligenz.

Gehen solche Vorurteile quer durch die sozialen Schichten oder gibt es Unterschiede? 

Das geht durch alle Schichten, aber es gibt Unterschiede. Männer haben signifikant mehr Vorurteile als Frauen. Abiturienten haben weniger Vorurteile als Hauptschüler. Auch Menschen mit Migrationshintergrund haben deutlich stärkere Vorurteile gegenüber Juden als Deutsche ohne Migrationshintergrund. Da gibt es gesellschaftlich und kulturell bedingt unglaublich viele Hassbilder.

Welche Gründe führen denn die Menschen für ihre Vorurteile an? 

Die jungen Leute sind sehr Israel-kritisch. Das mag ja auch legitim sein, die meisten bekunden ihre Solidarität mit den Palästinensern. Aber es gibt eben Leute, die das für ihre Propaganda ausnutzen. Was da passiert, ist eine Vermischung von Antizionismus, also einer Ablehnung des Staates Israel, mit rassistischem Antisemitismus. Man kritisiert Israel und überträgt negative Eigenschaften auf alle Juden. Das ist gefährlich, denn es gibt viele Propagandisten, die das gezielt fördern wollen.

Was kann man gegen solche Vorurteile tun? 

Man muss einerseits aufklären, Elternhaus, Schulen, Bildungseinrichtungen sind gefordert. Anderseits muss man versuchen, rechtswidrige und hetzerische Propaganda auch mit technischen Mitteln so weit wie möglich zu verhindern. Internetsperren wären aber der absolut falsche Weg. Wir können ja froh sein, dass wir die freie Meinungsäußerung und freien Zugang zu Informationen haben. Wichtig wären endlich einmal gute Angebote zur Medienkompetenz und Medienerziehung in den Schulen, damit die Schüler verstehen, wie ein soziales Netzwerk funktioniert, wo die Gefahren liegen. Wie bilde ich mir eine eigene Meinung und wie lasse ich mich nicht manipulieren? Man muss sich klar machen, dass heute fast jeder Jugendliche Facebook nutzt. Gefahren lauern überall. Vorurteile gibt es nicht nur gegenüber Juden, sondern gegen alle Minderheiten oder Randgruppen.

dpa

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